„Vom Ostsee zur Ostsee“
Mit Reithelm und Wollmütze durch Nordostdeutschland


620 aufregende Kilometer hatten die Pferde sowie Reiterinnen und Reiter bereits zurückgelegt, als am vergangenen Freitag zahlreiche Hufe im Sand des Ostseestrandes in Neuhaus ihre Spuren hinterließen.

Der Startschuss zu diesem außergewöhnlichen Reiterlebnis erfolgte am 7. September in der beschaulichen Ortschaft Laubsdorf in der Niederlausitz und führte die Reiterinnen und Reiter durch die waldreiche Landschaft der Märkischen Schweiz, die weiten Ackerflächen der Uckermark und den urwüchsigen Müritz-Nationalpark bis an die Wellen der Ostsee, die sie nach elf Etappen erreichten.

Ein fünfköpfiges Team engagierter Reiterinnen, bestehend aus Judith, Johanna, Juliane, Kira und Nike, hatte die Idee für den erstmals durchgeführten Langstreckenritt entwickelt und diesen organisiert. Die Inspiration, dieses herausfordernde Vorhaben Wirklichkeit werden zu lassen, sei während des „TransGermania“ entstanden. Dieses Großereignis im Jahr 2024 hatte mehr als 60 Reiterinnen und Reiter auf einer beeindruckenden Strecke von etwa 1.300 Kilometern vom allgäuischen Pfronten bis zur Nordseeküste geführt.
Die Organisatorinnen hatten als Reiterinnen teilgenommen und sich vorgenommen, in diesem Jahr einen Distanzritt zu veranstalten, der durch den Osten Deutschlands führt und diesen mit einer überschaubaren Teilnehmergruppe durchzuführen, um ein entspanntes Miteinander zu ermöglichen.
Start und Ziel und somit der Titel der Veranstaltung waren rasch gefunden: „Vom Ostsee zur Ostsee“. Das Wortspiel bezieht sich auf den Cottbuser Ostsee, den flächenmäßig größten See im Bundesland Brandenburg, in dessen Nähe der Ritt seinen Anfang nahm.
Der Morgen begann für die Teilnehmenden in der Regel gegen 7 Uhr mit einem gemeinsamen Frühstück, das vom Organisationsteam liebevoll vorbereitet wurde. Hierfür wurde im Vorfeld ein Pferdeanhänger aufwendig und kreativ zu einer mobilen Küche umgebaut, in der Judith allmorgendlich Brötchen aufbacken konnte. An manchen Tagen wurde sogar Rührei zubereitet oder die Gruppe mit duftendem, frischem Brot oder köstlichen Kuchen verwöhnt.


Anschließend hieß es für die Reiterinnen, Reiter und Pferde, sich auf die Herausforderungen des Tages vorzubereiten. Die Reitmontur wurde angelegt, die Pferde gepflegt und gegebenenfalls mit schützender Fettsalbe sowie Puder zur Hautpflege versorgt, bevor die Tiere gewissenhaft gesattelt wurden. Dann bewegten sich die Teams zum Start und machen sich auf einen in der Regel etwa 50-60 Kilometer langen Weg durch blühende Wiesen und verwunschene Wälder.



Dem Wohlergehen der Pferde wird bei derartigen Ritten große Bedeutung beigemessen. An jedem Etappenziel und auch auf der Strecke führten Tierärzte strenge Kontrollen durch. Nur Pferde mit optimalen Pulswerten und einem klaren Gang durften die Strecke weiterreiten. Stellte ein Tierarzt Einschränkungen fest, musste ein Team eine Etappe nach der Pause vorzeitig beenden oder womöglich einen Tag pausieren.

Die Strecken führten die Reiterinnen und Reiter durch abwechslungsreiche Landschaften – durch dichte Wälder, weite Felder, entlang beschaulicher Seen und Wasserläufe, sowie durch kleine, abgeschiedene Siedlungen, deren Einwohner ihren Augen nicht trauten, als unerwartet 25 Pferde samt zahlreicher Pkw mit Pferdeanhängern und Wohnmobile in ihrem ruhigen Heimatort Halt machten. Während der Ritte wurden die Pferde von den sogenannten Trossern versorgt, deren Aufgabe darin bestand, die Versorgung der Pferde an zuvor genauestens abgesprochenen Treffpunkten sicherzustellen.






Nicht wenig gestaut hat mancher Passant beim Anblick der Kopfbedeckungen der Reiterinnen und Reiter, die mitunter über ihrem Reithelm eine bunte Pudelmütze trugen. Während bei anderen Sportwettbewerben das „gelbe Trikot“ oder die „rote Startnummer“ verliehen wird, winkte bei diesem Ritt die „bunte Pudelmütze“ als besondere Auszeichnung. Diese wurde allabendlich an Teilnehmende vergeben, die sich durch eine außergewöhnliche – oftmals augenzwinkernde – Leistung jenseits der klassischen Wertung hervorgetan hatten. Diese schöne Idee stammt von der Großmutter der Mitorganisatorin Johanna, die im Vorfeld eifrig aus ihren Wollresten die farbenfrohen Mützen gefertigt hatte.



Insgesamt sind 25 Pferde an den Start gegangen, von denen es nur einem Pferd mit seiner Reiterin gelungen ist, jeden Kilometer der Strecke zu bewältigen. Siegerin dieses Distanzritts wurde somit Helga Wuttke auf ihrem Wallach Jodie. Zudem haben sich drei Fahrer mit ihren Gespannen der Herausforderung gestellt, unter denen Birgit Rosenberger mit den Shetlandponys Toulouse und Legolas den ersten Platz erreichte.


Der emotionale Höhepunkt der Veranstaltung war sicherlich die Ankunft der Pferde am Freitagnachmittag am weiten Strand von Neuhaus. Die Pferde reagierten auf den für viele von ihnen ungewohnten Zielort ebenso individuell wie die Reiterinnen und Reiter. Während die beiden siegreichen Shetlandponys sogleich ein erfrischendes Bad in der Brandung nehmen wollten, betrachteten andere Pferde eher skeptisch die heranrollenden Wellen und den scheinbar grenzenlosen Horizont. Manche Reiterinnen und Reiter galoppierten jubelnd den Strand auf und ab, während andere still und gedankenverloren an der Uferzone verharrten, um mit dem Blick auf das Meer das soeben zu Ende gegangene Abenteuer Revue passieren zu lassen.








„Ein Ritt, an den wir uns sicher immer erinnern werden“, schwärmte eine der Reiterinnen im Nachgang. Generell waren die Reiter voll des Lobes und hoben die ausgezeichnete Organisation, die reizvollen Strecken, die fabelhafte Verpflegung sowie die gute Stimmung unter den Beteiligten hervor.
Die Organisatorinnen können stolz auf die von ihnen aus der Taufe gehobene Veranstaltung sein. Zu dem gelungenen Miteinander hat jede und jeder Einzelne beigetragen – Reiterinnen und Reiter, Trosser, Helfer und Tierärzte -, doch das Organisationsteam hat die dafür notwendigen Voraussetzungen geschaffen. „Wir freuen uns schon jetzt auf Ostsee – Teil 2“, äußert sich eine Teilnehmerin hoffnungsvoll. Eine Neuauflage würde sicherlich auf positive Resonanz stoßen, denn schließlich möchte doch jeder irgendwann eine von Johannas Oma gestrickte Mütze tragen dürfen.

Super schöner Bericht !!!